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Dem Gegner immer einen Zug voraus
{nocache:1eb19c5274484f637dea3bc0786c394a#0} {/nocache:1eb19c5274484f637dea3bc0786c394a#0}Quelle: Artikel im Mühlacker Tagblatt vom 21.02.2009
Hoch kompliziert: den 14-jährigen Simon Ohnmacht fasziniert das alte Brettspiel mit den unzähligen Varianten. Foto: p
Akribisch bereitet sich der Badische U16-Schachmeister Simon Ohnmacht auf seine Kontrahenten vor.
Ein Spickzettel im Strumpf hat Jens Lehmann bei der WM 2006 zum Erfolg verholfen. So wusste der deutsche Nationaltorhüter im Elfmeterschießen gegen Argentinien, in welche Ecke die gegnerischen Schützen mit Vorliebe zielen. Was Lehmann kann, kann Simon Ohnmacht schon lange. Auf ähnliche Weise fädelte das Schachtalent vom SC Mühlacker unlängst seinen Überraschungssieg bei den Badischen U16-Meisterschaften ein. Nun träumt er von höheren Zielen.
Früher hat er mal Fußball gespielt bei den Sportfreunden Mühlacker. „Aber das ist lange her und war mir irgendwann zu viel“, sagt Simon Ohnmacht. Der Gymnasiast spielt noch Badminton beim BV Mühlacker, stand mit dem Team des Theodor-Heuss-Gymnasiums im Regierungsbezirks-Finale von „Jugend trainiert für Olympia“. Seine Leidenschaft aber gehört diesem alten Brettspiel, das vermutlich zwischen dem dritten und sechsten Jahrhundert in Indien entstand, und seit dem siebten Jahrhundert durch die Perser und Araber nach Afrika und Europa gelangte: Schach – von persisch „Schah“, der König –, eines der komplexesten Spiele überhaupt.
Bereits nach zwei Zügen können 72084 verschiedene Stellungen entstehen. Die Zahl der insgesamt möglichen Stellungen wird auf 2,28x1046 geschätzt. Darin, seine Gegner auf den 64 schwarzen und weißen Feldern schachmatt (arabisch ash-shah mata = der Schah ist gestorben) zu setzen, ist Simon Ohnmacht bereits ein Meister.
„Ich habe fünf gute Tage erwischt“, sagt der Nachwuchsspieler über seinen Titel bei den Badischen U16-Meisterschaften Anfang Januar. Aber das ist reichlich tiefgestapelt. „Simon hat dort eine 2130er-Performance gespielt“, ist sein Vater Rolf Ohnmacht, der Vorsitzende des Schachclubs Mühlacker, selbst jetzt noch verblüfft. Dabei liegt Simons Spielstärke offiziell „nur“ bei DWZ 1890 (Deutsche Wertungszahl). Und das ist sogar sein Wert nach den Landesmeisterschaften, in die Simon Ohnmacht noch mit DWZ 1769 gestartet war. „Jetzt hat er mich überholt“, sagt Rolf Ohnmacht und lacht. Der Senior hat DWZ 1840, aber: „Ich habe die größere Erfahrung.“
Doch der Titel in der U16 war mehr als nur gute Form, wie Ohnmacht junior nun verrät. Akribisch hatte sich der 14-Jährige auf das Turnier vorbereitet, in den Weihnachtsferien auf der Internet-Schachdatenbank Chessbase.de, unzählige vergangene Partien möglicher Gegner analysiert. „Ich habe etwa 20 Leute durchgearbeitet und geschaut, was die so am liebsten spielen. Das war zwar zeitaufwändig, aber in den Ferien hatte ich ja Zeit“, erzählt Ohnmacht. So kannte der Mühlackerer, im Jahr zuvor noch U14-Landesmeister, die Lieblingseröffnungen und bevorzugten Strategien seiner Kontrahenten. Seine eigenen Vorlieben indes warf Ohnmacht über Bord.
„Man sollte immer etwas spielen, worauf der Gegner nicht gefasst ist. Bei den Landesmeisterschaften habe ich fast keine Eröffnung zweimal gespielt, mir immer etwas Neues einfallen lassen“, beschreibt er seine Taktik, mit der er reihenweise stärker eingeschätzte Gegner aus dem Feld schlug und als Neuling in der U16-Altersklasse gleich groß auftrumpfte. Gelegentlich analysiert der 14-Jährige auch frühere Weltmeisterschafts-Partien und spielt sie am PC nach. Beim SC Mühlacker sitzt er bereits in der zweiten Mannschaft in der Bereichsliga am zweiten Brett.
„Das Repertoire eines Spielers verändert sich sowieso ständig. Man entwickelt sich ja weiter“, sagt Simon Ohnmacht, der als Siebenjähriger mit dem Schachspielen angefangen hat und seit seinem neunten Lebensjahr Turniere spielt. „Durch meinen Vater habe ich mich dafür interessiert. Er hat mir damals ,Fritz und Fertig‘ geschenkt, ein PC-Schachspiel für Kinder.“ Mindestens eine Stunde täglich trainiert Simon Ohnmacht, oft spielt er dabei im Internet gegen andere Vereinsspieler. Ehrensache, dass man dabei den nächsten Zug in den eigenen grauen Zellen austüftelt und nicht den Computer zurate zieht.
„Im Mittelspiel bei einer komplizierten Stellung, wenn es taktisch richtig abgeht, denken Spieler unserer Stärke etwa vier bis fünf Züge voraus“, erklärt Vater Rolf Ohnmacht. Bei einer einfachen Stellung im Endspiel seien es bis zu 20 Züge. „Schach schult das logische Denken“, bestätigt der Junior. „Und das braucht man ja im Leben.“ Ein Mathematikgenie ist er in der Schule deswegen nicht. „Da habe ich meist Noten zwischen zwei und drei“, verrät der Achtklässler. Sein stärkstes Fach? „Geschichte.“
Jetzt heißt sein Ziel Deutsche Jugend-Meisterschaft Ende Mai in Willingen. „Da will ich eine gute Platzierung erreichen“, wagt er diesmal nicht gleich vom Titel zu träumen. Praktisch: Die DM liegt mitten in den Pfingstferien. Ohnmacht hat also wieder eine Woche freie Zeit, um sich bei Chessbase.de über die Konkurrenten schlau zu machen. Eine Welt- oder Europameisterschaft zu spielen, ist ein weiteres Ziel des jungen Schachtalents. „Vielleicht 2010, wenn ich im älteren U16-Jahrgang bin“, hofft Ohnmacht, „in diesem Jahr wird das verdammt schwer.“ Einmal Profi werden, mit Schach sein Geld verdienen? „Das ist im Prinzip zwar möglich“, sagt Simon Ohnmacht, „aber ein verdammt hohes Risiko. Da bin ich lieber in der Schule gut.“ Berufsziel stattdessen? „Informatiker.“
Ein Spickzettel im Strumpf hat Jens Lehmann bei der WM 2006 zum Erfolg verholfen. So wusste der deutsche Nationaltorhüter im Elfmeterschießen gegen Argentinien, in welche Ecke die gegnerischen Schützen mit Vorliebe zielen. Was Lehmann kann, kann Simon Ohnmacht schon lange. Auf ähnliche Weise fädelte das Schachtalent vom SC Mühlacker unlängst seinen Überraschungssieg bei den Badischen U16-Meisterschaften ein. Nun träumt er von höheren Zielen.
VON STEFFEN-MICHAEL EIGNER
Früher hat er mal Fußball gespielt bei den Sportfreunden Mühlacker. „Aber das ist lange her und war mir irgendwann zu viel“, sagt Simon Ohnmacht. Der Gymnasiast spielt noch Badminton beim BV Mühlacker, stand mit dem Team des Theodor-Heuss-Gymnasiums im Regierungsbezirks-Finale von „Jugend trainiert für Olympia“. Seine Leidenschaft aber gehört diesem alten Brettspiel, das vermutlich zwischen dem dritten und sechsten Jahrhundert in Indien entstand, und seit dem siebten Jahrhundert durch die Perser und Araber nach Afrika und Europa gelangte: Schach – von persisch „Schah“, der König –, eines der komplexesten Spiele überhaupt.
Bereits nach zwei Zügen können 72084 verschiedene Stellungen entstehen. Die Zahl der insgesamt möglichen Stellungen wird auf 2,28x1046 geschätzt. Darin, seine Gegner auf den 64 schwarzen und weißen Feldern schachmatt (arabisch ash-shah mata = der Schah ist gestorben) zu setzen, ist Simon Ohnmacht bereits ein Meister.
„Ich habe fünf gute Tage erwischt“, sagt der Nachwuchsspieler über seinen Titel bei den Badischen U16-Meisterschaften Anfang Januar. Aber das ist reichlich tiefgestapelt. „Simon hat dort eine 2130er-Performance gespielt“, ist sein Vater Rolf Ohnmacht, der Vorsitzende des Schachclubs Mühlacker, selbst jetzt noch verblüfft. Dabei liegt Simons Spielstärke offiziell „nur“ bei DWZ 1890 (Deutsche Wertungszahl). Und das ist sogar sein Wert nach den Landesmeisterschaften, in die Simon Ohnmacht noch mit DWZ 1769 gestartet war. „Jetzt hat er mich überholt“, sagt Rolf Ohnmacht und lacht. Der Senior hat DWZ 1840, aber: „Ich habe die größere Erfahrung.“
Doch der Titel in der U16 war mehr als nur gute Form, wie Ohnmacht junior nun verrät. Akribisch hatte sich der 14-Jährige auf das Turnier vorbereitet, in den Weihnachtsferien auf der Internet-Schachdatenbank Chessbase.de, unzählige vergangene Partien möglicher Gegner analysiert. „Ich habe etwa 20 Leute durchgearbeitet und geschaut, was die so am liebsten spielen. Das war zwar zeitaufwändig, aber in den Ferien hatte ich ja Zeit“, erzählt Ohnmacht. So kannte der Mühlackerer, im Jahr zuvor noch U14-Landesmeister, die Lieblingseröffnungen und bevorzugten Strategien seiner Kontrahenten. Seine eigenen Vorlieben indes warf Ohnmacht über Bord.
„Man sollte immer etwas spielen, worauf der Gegner nicht gefasst ist. Bei den Landesmeisterschaften habe ich fast keine Eröffnung zweimal gespielt, mir immer etwas Neues einfallen lassen“, beschreibt er seine Taktik, mit der er reihenweise stärker eingeschätzte Gegner aus dem Feld schlug und als Neuling in der U16-Altersklasse gleich groß auftrumpfte. Gelegentlich analysiert der 14-Jährige auch frühere Weltmeisterschafts-Partien und spielt sie am PC nach. Beim SC Mühlacker sitzt er bereits in der zweiten Mannschaft in der Bereichsliga am zweiten Brett.
„Das Repertoire eines Spielers verändert sich sowieso ständig. Man entwickelt sich ja weiter“, sagt Simon Ohnmacht, der als Siebenjähriger mit dem Schachspielen angefangen hat und seit seinem neunten Lebensjahr Turniere spielt. „Durch meinen Vater habe ich mich dafür interessiert. Er hat mir damals ,Fritz und Fertig‘ geschenkt, ein PC-Schachspiel für Kinder.“ Mindestens eine Stunde täglich trainiert Simon Ohnmacht, oft spielt er dabei im Internet gegen andere Vereinsspieler. Ehrensache, dass man dabei den nächsten Zug in den eigenen grauen Zellen austüftelt und nicht den Computer zurate zieht.
„Im Mittelspiel bei einer komplizierten Stellung, wenn es taktisch richtig abgeht, denken Spieler unserer Stärke etwa vier bis fünf Züge voraus“, erklärt Vater Rolf Ohnmacht. Bei einer einfachen Stellung im Endspiel seien es bis zu 20 Züge. „Schach schult das logische Denken“, bestätigt der Junior. „Und das braucht man ja im Leben.“ Ein Mathematikgenie ist er in der Schule deswegen nicht. „Da habe ich meist Noten zwischen zwei und drei“, verrät der Achtklässler. Sein stärkstes Fach? „Geschichte.“
Jetzt heißt sein Ziel Deutsche Jugend-Meisterschaft Ende Mai in Willingen. „Da will ich eine gute Platzierung erreichen“, wagt er diesmal nicht gleich vom Titel zu träumen. Praktisch: Die DM liegt mitten in den Pfingstferien. Ohnmacht hat also wieder eine Woche freie Zeit, um sich bei Chessbase.de über die Konkurrenten schlau zu machen. Eine Welt- oder Europameisterschaft zu spielen, ist ein weiteres Ziel des jungen Schachtalents. „Vielleicht 2010, wenn ich im älteren U16-Jahrgang bin“, hofft Ohnmacht, „in diesem Jahr wird das verdammt schwer.“ Einmal Profi werden, mit Schach sein Geld verdienen? „Das ist im Prinzip zwar möglich“, sagt Simon Ohnmacht, „aber ein verdammt hohes Risiko. Da bin ich lieber in der Schule gut.“ Berufsziel stattdessen? „Informatiker.“
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